
Musikzahnmedizin - Wie alles begann ...
Ich war zum Interview des Deutschlandfunks geladen. Das Thema: Sportzahnmedizin und meine Zeit mit Bundesliga, Olympiakader und Tour de France. In den letzten 15 Jahren Praxiserfahrung verhalfen wir einer Vielzahl von Amateur-, Profi- und Leistungssportlern zu Höchstleistungen und Meistertiteln und dazu sollte ein Radiobeitrag in 3 Teilen her.
Eine der Fragen des Reporters lautete: „Warum sind Sportler kränker und behandlungsbedürftiger als normale Patienten?“. Mein erster Gedanke: Sind sie das? Klare Antwort: Nein. Sie sind gesünder als die sogenannten normalen Patienten, deshalb sind sie schließlich aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Körperlichkeit Sportler geworden!
Das war jetzt irgendwie nicht das, was der Reporter hören wollte. Er unterbrach die Aufnahme mit ernüchtertem Gesicht und trug die Frage vor, die jetzt natürlich kommen musste: „Wer ist denn kränker ihrer Meinung nach?“.
Mit der Erfahrung von über 15.000 Wirbelsäulenanalysen, über 10.000 Modell- und Bissanalysen, über 8000 Analysen des vegetativen Nervensystems, über 5000 Atemwegsanalysen und tausenden Stunden Optimierungen des Sauerstoffstoffwechselsystems lautete die richtige Antwort: Mütter und Musiker!
Wieder war meine Antwort für den Radioreporter genauso ernüchternd unthematisch wie wenig verwertbar. Entsprechend war ich nicht verwundert, dass dieser eigentlich sehr spannende Umstand nicht durch Erwähnung im Radiobeitrag gewürdigt wurde.
Es drängte sich mir jedoch unweigerlich die Frage auf: Warum sollte das, was Sportler gesünder, leistungsfähiger und erholungsfähiger macht nicht auch für Musiker nützlich sein?!
Die nächsten Wochen und Monate gehörten der Recherche, klinischen Untersuchungen und der Erkundung, was die spezifischen Bedürfnisse von Musikern wären.
Mit der Vielzahl von Erkenntnissen, Ideen und Konzepten wollten wir nun dem verehrten Kreis der Zahnmediziner beitreten, welche sich auf die Betreuung von Musikschaffenden spezialisiert haben.
Und dann war da nichts! Lediglich ein einziger Zahnarzt, welcher selbst ein Blasinstrument spielt, bietet speziellen Zahnersatz für Blasinstrumentespieler in seiner Einzelpraxis an. Obwohl es mehr Musiker als Sportler gibt, obwohl wir alle im Durschnitt über 25 Stunden Musik pro Woche hören und obwohl wir von der Beanspruchung eines Konzertes, gleich ob Rock, Metal, Klassik oder Pop wissen – keine musikzahnmedizinischen Vorsorgekonzeptionen, keine Diagnostikkonzepte und keine Therapiesystematiken für Musiker. Die Domain musikzahnmedizin.de frei!
Nicht ein Leistungs- oder Profisportler würde ohne Sport|zahn|Medizin seine lediglich ca 20-jährige Sportlerkarriere bestreiten können. Aber Musiker sollen 50 Jahre Berufsmusik betreiben ohne jede spezifische Betreuung trotz vergleichbarer körperlicher und psycho-emotionaler Beanspruchung?!
Von diesem Tag an quälte mich bei jedem Song den ich hörte, das Gefühl der Verletzung der zahn|ärztlichen Sorgfaltspflicht.
Innerhalb kürzester Zeit fanden sich ärztliche und zahnärztliche Kollegen, Musiker, Musikförderer, Wissenschaftler und medizintechnologische Firmen mit dem gemeinsamen Ziel: Entwicklung eines musik|zahn|medizinischen Betreuungskonzepts in Wissenschaft und Praxis – für alle Musikschaffenden.
Die Geburtsstunde der Deutschen Gesellschaft für Musik|Zahn|Medizin!
